LinkedIn 2026: Was sich verändert hat – und was jetzt wirklich zählt

Wer LinkedIn 2026 noch so nutzt wie vor zwei, drei Jahren, wird sich früher oder später wundern: weniger Resonanz, weniger Sichtbarkeit, weniger Wirkung. Und das liegt nicht daran, dass „LinkedIn tot“ wäre. Sondern daran, dass sich die Spielregeln spürbar verschoben haben.

Die Plattform ist in kurzer Zeit lauter geworden – nicht nur, weil mehr Menschen posten, sondern weil viel mehr Inhalt im Umlauf ist, der gar nicht mehr nach echten Gedanken klingt. Viel wirkt wie industriell produziert: sauber, glatt, austauschbar.

Bereits Ende Oktober 2024 zeigte eine Auswertung von Originality.ai (ein Tool, das u. a. KI-Anteile und Plagiate erkennt), dass rund die Hälfte der englischsprachigen Posts auf LinkedIn KI-generiert war. Wer regelmäßig liest, erkennt das ziemlich schnell: ähnliche Einstiege, ähnliche Dramaturgie, ähnliche „Takeaways“. Und häufig fehlt genau das, was Menschen eigentlich spannend macht – echte Erfahrung, echte Haltung, echte Reibung.

Das Problem: Der Feed wird nicht größer. Es gibt nicht plötzlich doppelt so viel Aufmerksamkeit, nur weil doppelt so viel Content veröffentlicht wird. Wenn mehr Beiträge um denselben Platz kämpfen, verlieren die meisten automatisch. Deshalb sehen wir aktuell genau das, was viele spüren: Reichweiten fallen – und zwar deutlich.

LinkedIn-Analyst Richard van der Blom spricht in seinem Algorithm-Update (Oktober) von einem Rückgang der Reichweite um 47 Prozent zwischen Februar und Oktober 2025. Und dabei reden wir noch nicht über das zweite Level: Kommentare. Denn längst wird nicht nur gepostet, sondern auch reagiert – automatisiert, vorgefertigt, bot-gesteuert. Engagement-Pods, Kommentar-Bots, KI-Reaktionen: Das, was früher „Trickkiste“ war, ist heute vielerorts Standard.

Wenn aber Beiträge nicht mehr von Menschen kommen und die Kommentare auch nicht – was bleibt dann übrig außer einem Loop aus gegenseitiger Simulation?

Ich habe mir diese Frage dieses Jahr oft gestellt: Lohnt es sich überhaupt noch, Zeit in eine Plattform zu stecken, auf der Maschinen unter Maschinen diskutieren?

Gleichzeitig sehe ich aber auch: LinkedIn ist nicht blind für diese Entwicklung. Die Plattform arbeitet sichtbar dagegen. Bots werden härter angefasst, manipulative Muster verlieren an Sichtbarkeit – und Content, der eine echte Positionierung unterstützt und nach Mensch klingt, bekommt wieder Rückenwind. Man könnte sagen: LinkedIn versucht, den Dialog zurückzuholen.

Bevor wir weitermachen, eine Klarstellung: Es geht nicht darum, KI zu verteufeln. Es geht darum, sie sinnvoll einzuordnen. Ich nutze KI selbst – als Unterstützung beim Schreiben, als Sparring, als Strukturgeber. Das spart Zeit und bringt Klarheit. Der entscheidende Unterschied ist: KI als Werkzeug für eigene Gedanken vs. KI als Fließband für generische Inhalte. Wenn Letzteres zur Norm wird, entsteht diese Welle aus „irgendwie korrekt, aber irgendwie egal“. Und dann braucht niemand mehr LinkedIn, um Expertise zu finden – dann reicht ein Prompt.

Die spannende Frage ist also: Wie bleibt LinkedIn 2026 für Menschen ein sinnvoller Ort? Hier sind fünf Hebel, die aus meiner Sicht jetzt den Unterschied machen – vor allem für Unternehmen, Führungskräfte und Expert:innen.

1) Posting-Marathon bringt nichts mehr – Präzision gewinnt

„Hauptsache regelmäßig“ war lange ein brauchbarer Ansatz. 2026 wird das zur Falle. Denn wer viel sendet, aber am Thema vorbeisendet, wird zwar aktiv wirken – aber nicht relevant.

Statt den Kalender mit Slots zu füllen, ist die bessere Leitfrage:
Wer soll das lesen – und warum sollte es diese Person interessieren?

Ja, Timing spielt weiter eine Rolle. Wer postet, wenn die Zielgruppe nie online ist, verschenkt Potenzial. Aber Timing ist nicht der Kern. Der Kern ist: Substanz.

Für viele reicht ein starker Beitrag pro Woche, wenn er auf echter Erfahrung basiert, ein konkretes Problem aufgreift und nicht nur eine hübsche Aussage ist. Und gerade bei Führungskräften gilt: Dauer-Content ohne Strategie wirkt schnell so, als hätte LinkedIn im Job Priorität. Das ist selten die Botschaft, die man senden möchte – außer es ist bewusst Teil einer Kommunikationsarchitektur.

2) Kommentare sind nicht nett – sie sind der Motor

Viele sprechen darüber, wenige machen es konsequent: kommentieren. Dabei ist das 2026 der sichtbarste Hebel überhaupt.

Denn Reichweite entsteht nicht dadurch, dass du „online warst“. Sie entsteht, wenn LinkedIn erkennt: Menschen bleiben hängen. Menschen reagieren. Menschen diskutieren. Und das passiert vor allem über Kommentare.

Wer möchte, dass andere die eigenen Inhalte sehen, muss selbst in andere Inhalte investieren. Das klingt banal, ist aber die Realität.

Und ja: Man kann Reichweite auch technisch „anschieben“ – über künstliche Kommentar-Strukturen. Aber das zahlt selten langfristig ein. Wer stattdessen über Zeit eine Community aufbaut, die wirklich am eigenen Thema hängt, bekommt Interaktion ohne Spielchen.

2026 sind Kommentare keine Deko. Sie sind der Beweis, dass hier jemand nicht nur sendet, sondern beteiligt ist.

3) Nicht im Feed leben – LinkedIn kuratieren

Der Feed ist inzwischen wie ein Bahnhof: viel Bewegung, viel Lärm, viel Ablenkung. Wer dort „einfach mal“ scrollt, verliert Zeit – und oft auch die Lust.

Der bessere Weg: bewusst auswählen, wem du folgst und wessen Beiträge du wirklich sehen willst. Ich habe mir relevante Profile markiert – Kund:innen, Expert:innen, Menschen mit Perspektive. Über die Benachrichtigungsfunktion (die Glocke im Profil) bekomme ich dann ein Signal, wenn sie posten. Ich entscheide aktiv, ob und wo ich mich einbringe.

Das macht LinkedIn wieder nutzbar. Und es schützt vor dem Gefühl, ständig konsumieren zu müssen.

4) Die Hack-Mentalität macht LinkedIn kaputt

Tagging-Routinen, Uhrzeiten-Mythen, Pods, „Trick-Posts“, Engagement-Mechaniken: Alles Dinge, die kurzfristig Sichtbarkeit versprechen – und langfristig die Plattform generischer gemacht haben.

Ich orientiere mich nicht daran, ob ein Beitrag „explodiert“. Viralität ist häufig nur eine Zahl – und nicht automatisch ein Indikator für Relevanz. Man kann leicht einen Post so bauen, dass er provokant genug ist, um Reaktionen zu triggern. Das bringt aber oft genau die falschen Leute in die Kommentare.

Reputation entsteht eher durch Inhalte, die tiefer gehen: klar, fachlich, sauber positioniert. Vielleicht weniger laut – dafür passender. Und je stärker LinkedIn Manipulation sanktioniert, desto weniger lohnen sich Abkürzungen sowieso.

5) Reichweite ist 2026 ein Nebenprodukt – kein Qualitätsurteil

Hohe Reichweite kann schön sein. Aber sie sagt wenig darüber aus, ob der Content die richtigen Menschen erreicht.

Für Führungskräfte, Expert:innen und Unternehmen sollte die wichtigere Frage lauten:
Was passiert dadurch? Welche Anfragen entstehen? Welche Gespräche beginnen?

Ich erlebe regelmäßig, dass Menschen mich auf Themen ansprechen, die online kaum „performt“ haben. Und trotzdem war der Beitrag wirksam – weil er relevant war. Für genau die Menschen, die ich erreichen wollte. Nicht für die Timeline-Masse.

Das ist die Umstellung, die viele 2026 lernen müssen: Reichweite einordnen, Wirkung ernst nehmen.

Warum der Mittelstand gerade jetzt einen Vorteil hat

Viele mittelständische Unternehmen stehen bei LinkedIn noch am Anfang – und genau deshalb ist das Timing so gut. Denn während große Organisationen oft mit Komplexität kämpfen (viele Kanäle, viele Abstimmungen, viele Prozesse), kann der Mittelstand schneller klar werden: Wofür stehen wir? Was ist unser Thema? Wie kommunizieren wir das?

In der Praxis höre ich aus dem Mittelstand vor allem drei Fragen:
Was funktioniert heute? Was lohnt sich? Und wie gehen wir LinkedIn überhaupt strategisch an?

Die Chance ist riesig: Wer jetzt ein klares Profil aufbaut, eine schlüssige Themenwelt definiert und LinkedIn nicht als Selbstzweck, sondern als Teil einer Gesamtstrategie nutzt, kann sich nachhaltig Sichtbarkeit erarbeiten.

Denn LinkedIn ist am Ende nur ein Kanal – aber ein sehr relevanter im B2B-Kontext. Entscheidend ist, dass man sich nicht vom Algorithmus treiben lässt, sondern die Plattform bewusst führt.

Fazit: LinkedIn bleibt wichtig – aber nur mit neuer Disziplin

Ja, LinkedIn ist überfüllt. Ja, KI hat vieles austauschbarer gemacht. Ja, Reichweite ist spürbar schwieriger geworden.
Aber: Es gibt weiterhin kaum einen Ort, an dem sich täglich so viele Menschen beruflich begegnen – lesend, kommentierend, beobachtend.

2026 ist deshalb nicht das Jahr, in dem LinkedIn „zu Ende geht“. Es ist das Jahr, in dem wir uns umstellen müssen: weg von Masse und Mechanik – hin zu Relevanz, Echtheit und klarer Strategie.

Wer das konsequent umsetzt, wird auch in einem engeren Feed sichtbar bleiben. Und aus Reichweite wieder Reputation machen.

——-

Für regelmäßige Inspirationen und Tipps rund um Personal Branding und Corporate Influencer folge uns gerne auf LinkedIn. Wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

Weiter
Weiter

LinkedIn, immer in Bewegung, und genau das ist die Chance